-Volitus- 1. Aufzug 3.Teil

Rechts in der Bar, nah an der Wand, an einem Tisch, ganz ähnlich dem, an dem auch Karin sitzt, sitzt Archibald West. Weder Karin, noch Jon, noch der Prinz können ihn sehen, da sein Platz in einer Art Nische, abgetrennt vom Rest der Gäste liegt. Das einzige was jeder von Archibald warnehmen kann, ist sein grau-brauner Kurzmantel, der , etwas unsauber, in der Nähe des Eingangs der Bar, hängt. Begraben unter vielen anderen Jacken und Mänteln, die allesamt mehr Farbe aufweisen, als die Bekleidung von Archibald.

Archibald saß an einem Laptop und arbeitete gerade seinen E-Mail Ordner ab. Er tat das jeden Freitag-Abend, und immer in der selben Bar, zu einem kleinen Glas Wein, in dessen Anschluss er sich einen Sherry gönnt. Es ist meist eine dänische Spezialität, von dem ihn seine Eltern bereits als Kind erzählt haben. Er erinnerte sich daran, weil sie ihm die kleinen Messinggläser geschenkt haben, die man sich ins Portemonnaie legt. Der Wein ist dabei sein Übel, das ihn von der unteren proletarisch geprägten Klasse abheben soll und der Sherry das einzige alkoholische Getränk, das er wirklich mag.

Die E-Mails sind meistens Banalitäten von Studenten, die nicht wissen wie sie sich für Klausuren anmelden sollen, oder ob die Vorlesung am nächsten Mittwoch statt findet, obwohl genau dieser Mittwoch ja ein Feiertag in Bayern ist. Sie langweilen ihn, jedoch muss er sie beantworten, weil das zu den Aufgaben eines Professors gehört. Diese Bürde trägt er nun seit 12 Jahren mit sich herum. Ursprünglich wollte er etwas großes werden und mit dem Wissen, das er erlangte, ganze Generationen verändern. Sein Tatendrang wurde nicht belohnt, da es nie eine wirkliche Chance gab in seinem Leben, sein Wissen einzusetzen. Jetzt sitzt Archibald in seinem Büro, Tag ein Tag aus und versucht Erstsemestern in den kleinen Hörsälen etwas beizubringen. Das verblüffende ist, dass sich durch die Routine eine Konzentration auf Nebensächliches bei ihm gebildet hat, wie das Fenster, dass er genau sich gegenüber liegend sieht.

Eben das Fenster bei dem durch das Fehlen einer Unterlegscheibe dem Barkeeper beim Versuch des Öffnens und vor allem des Schließens, seit geraumer Zeit Schwierigkeiten bereitet. Archibald weiß genau wo sich diese Scheibe befindet, welche vergessen wurde einzusetzen, als das Fenster vor 3 Jahren einmal ausgetauscht wurde. Seit diesem Tag verfolgt Archibald diese Scheibe, welche eine unfassbare Strecke von nahezu 142 Kilometern zurückgelegt hat, wobei ein Großteil dieser Strecke, nämlich sieben-neuntel, innerhalb eines Monats bewältigt wurde. In diesem Monat wurde der gesamte linke Teil der Bar renoviert. Dabei bewegten drei Handwerker diese kleine Scheibe von einem Ende der nördlichen Wand zum anderen Ende der südlichen Wand, an der sich der Tresen befand, jedoch immer nur innerhalb der linken Seite, nahe dem Eingang. Es war schwierig für Archibald , dafür zu sorgen, dass die Scheibe im Raum blieb, gab es doch zwei oder drei Situationen, wo sie schon fast hinaus war. Wofür er aber noch nie hatte sorgen müssen, war gegen die Entdeckung der Scheibe anzutreten. Das schien ihm auch unmöglich.

Die nächste E-Mail handelte von einem Artikel in einer Zeitschrift, die er nie abonniert hatte. Es ging um die Aufteilung der Welt in Kontinentalplatten, die die Forschung durch zunehmende Umweltkatastrophen, immer mehr interessiert. Er hatte davon gehört, aber nicht weiter nachgeforscht, gehört dieser Bereich doch eher weniger zu seinem Fachwissen. Er löschte sie nach kurzem Überfliegen. Da dies heute die letzte E-Mail war, hob er die rechte Hand um dem Barkeeper bescheid zu geben, dass er jetzt gerne seinen Sherry hätte.

Jon blickte zurück zu seinem Cocktail. Er mochte ihn nicht mehr und dachte nach. Er dachte über den Film, den er zuletzt gesehen hatte nach. Es war ein Thriller gewesen. Ziemlich Anspruchslos, wie er fand. Viel zu einfach gestrickt. Die meisten Motive des Films hat er schon 2 mal woanders gesehen und auch als am Ende klar wurde, dass nicht die Hauptfigur, die Hauptfigur war, sondern in Wirklichkeit ein Gegenstand, war ihm immer noch bleiern müde. „Seltsam“, dachte er da und überlegte wieso er überhaupt noch ins Kino ging, wenn er schon alles kannte.

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