Zwang ( Teil 1 ) : Gibt es Zwang ?

Gibt es Zwang ?

Ich denke, dass es bei dieser Fragestellung erst einmal sinnvoll ist zu definieren, was unter dem Zwang grundsätzlich zu verstehen ist. Es scheint mir nämlich so, dass der vorgegebene Text, aus dessen Kontext diese Frage entstand, die Zwangsthematik als aktive Handlung von außen begreift. Es lässt schnell vergessen, dass der Zwang an sich auch von dem zu Zwingenden nicht nur motiviert sondern auch unterstützt wird. Er wird in sofern unterstützt, dass es im allgemeinsten Fall einen Zwang nicht ohne Komplement zum Zwingen gibt.

Diese Grundlage führt zu weiteren Überlegungen. Die Stellung des Zwingenden ist eindeutig. Er stellt eine Bedingung, die dem gegenüber zu Aktionen bringt, welche er nicht ausführen würde, würde die Bedingung nicht gelten. Dieser einfache Sachverhalt birgt doch geradezu meine vorhin beschriebene Annahme, ist aber doch häufig nicht der beachtete Begriff, wenn es darum geht, was Zwang überhaupt ausmacht. Der Gezwungene hingegen, wenn davon auszugehen ist, dass dieser seine Möglichkeiten kennt, ist oft in die Situation gesetzt worden, dass er keine andere Wahl hat, was den Zwang dann ausmacht. Dieses „keine Wahl“ haben, ist dadurch begründet, dass die gestellte Bedingung durch einen inneren Zwang erfüllt ist. Wir betrachten jetzt den inneren Zwang, welcher alleinig vom zu Zwingenden ausgeht, der aber beim Zwang immer dazu gehört. Es wäre zu einfach zu behaupten, dass es keinen Zwang geben könnte, wenn derjenige es einfach aufgibt sich selbst zu zwingen. Das schwierige an der Angelegenheit ist, dass der innere Zwang zusammenhängt mit vielen unterschiedlichen Faktoren, die in einer Analyse des allgemeinen Schemas der Bedingung bereits leicht zu charakterisieren sind.

Die Bedingung ist immer von einer Konstante geprägt, welche verletzt wird, wenn die ungewollte Aktion nicht ausgeführt wird. Die Konstante ist ein beliebiger Begriff, der wiederum einen Wert innerhalb der Person trägt. Dieser Wert ist von moralischer, materieller oder psychischer Natur. Das dieser Wert existiert, konnte der Gezwungene erlernen, erfahren oder ableiten an bereits Erlernten oder Erfahrenen. Gibt also jemand seinen inneren Zwang auf , dann ist es diese Konstante, die er aufgibt und eine damit verbundene Wertevorstellung. Zu Beachten ist hierbei, dass dieser Verlust in der Regel nicht wieder herzustellen ist. Es handelt sich beim Zwang oft um unmittelbaren Verlust, bzw. es handelt sich in der Bedingung, darum. Würde es keinen Zwang geben, so wie er hier vorgestellt ist, dann ist es eine wertfreie Person, die allgemeinen Vorstellungen widerspricht, von denen der Zwingende ausgehen muss.

Bis jetzt betrachteten wir nur die Bedingung , nicht aber die aktive Handlung. So ist noch überhaupt nicht geklärt ob Zwang seinem negativen Charakter gerecht wird. Der Zwang findet nämlich auch dann statt, wenn die aktive Handlung, welche nicht gewollt ist von dem zu Zwingenden, einen Weg breitet der ebenso positiv gewertet werden kann. Eine Zwangsvorstellung wird dadurch allein schon abgeschwächt, jedoch nur, wenn man davon ausgeht, dass der zu Zwingende wirklich davon profitiert. Die Frage bleibt, wieso Zwang, also eine Bedingung, überhaupt angewendet werden musste und ob ein unwissender wirklich profitiert, oder über seine Mündigkeit hinaus gehandelt wurde. So ist das aufzwingen eines fremden Denkschemas genauso verwerflich, wie das zwingen zu bewusst schlechte Aktivitäten. Wir sprechen also vom Zwang immer dann, wenn der Gezwungenen nicht in der Lage ist die Handlung als positiv von allein und ohne die Bedingung zu erkennen.

Ein weiteres Merkmal könnte den Zwangsgedanken entkräften. Nämlich das genauere betrachten der vorhin gestellten Hypothese, dass der Zwang möglich ist , weil kein Mensch wertfrei ist. Wir könnten annehmen, dass der Wert an sich nicht anzunähern ist an die kurzzeitige Aussetzung des Wertes, als Beispiel wäre dort der Verlust eines Verwandten zu nennen, obwohl gerade dies auch ein gutes Beispiel für die umgekehrte Situation wäre. Das Aussetzen des Wertes ist nämlich möglich. Fragen wir aber nach dem Zwang an sich, dann wäre diese Bedingung nicht von selbst erfüllt worden und somit besteht Zwang immer noch.

Es ist also nicht auszuschließen, nach dieser allgemeinen Aufschlüsselung des Begriffs Zwang, dass es ihn wirklich gibt oder geben kann. Weiterhin fragen wir uns in einem Spezialfall ob der Zwang angewendet wird, bei dem Erlangen von Wissen, also beim Lernen.

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