Der Wunsch nicht zu leiden

Ich befinde mich in der äußerst schwierigen Lage, nicht zu wissen, ob mein Verlangen gegenüber einer nahe stehenden Person auf dem Wunsch begründet sind, die Person zu lieben oder zu begehren.

Was das ganze so schlimm macht, ist dass ich mit beiden Versionen nicht leben möchte. Liebe ich die Person, glaube ich nicht daran, in der Lage zu sein, sie glücklich zu machen. Sie würde unter mir Leiden und ihr Leben wäre, falls sie die Liebe erwidert, in einer abwärts gleitenden Spirale gefangen.

Das Begehren, also die Lust auf den Körper oder das Aussehen der Person finde ich moralisch verwerflich, weil ich sie damit zum Objekt mache und mich selbst nicht ausstehen könnte, so zu denken. Ich will kein Mensch sein, der so ist.

Und so bleibt mir nichts, als dieses Verlangen oder besser diesem Wunsch stand zu halten und zu verdrängen, damit nichts von beidem eintreten kann. Zumindest das es nicht meine Schuld ist. Denn darum geht es ja. Ich will nicht Schuld sein. So kann ich leider auch nicht Schuld sein, wenn jemandem gutes widerfährt, auch wenn ich es noch so sehr möchte.

Die Angst, die auch Teil von dieser Überlegung ist, schwingt mit. Ich vermute, dass ein jeder sich zunächst erkennen muss, um zu wissen was zu einem passt an anderem Mensch. Der Charakter ist passend, wenn er zu dem passt, von dem ich glaube, dass ich es bin. Viele Versuche sind wahrscheinlich nötig, bis ich merke, dass das eine oder das andere nicht zu mir passt und ich nicht bin. Das Fatale ist die andere Person, die darunter zu leiden hat, jedoch auch ihrerseits lernt wer sie ist.

Ich will nicht lernen wer ich bin und damit anderen schaden / helfen. Ich will nicht leiden. Ich denke das ist das grundsätzliche Problem. Leid zu vermeiden, obwohl ich so gut weiß was Leid bedeutet. Deswegen vermeide ich es gerade so konsequent. Ich kann aber auch kein langanhaltendes Glück dadurch erreichen. Entweder ich bin von meiner Außenwelt abhängig oder ich muss mit kleinen Glücksgefühlen leben. Aber über allem schwebt die Erkenntnis, dass ich aus dem Wunsch nicht zu leiden, nie Glück erleben werden kann. Das macht mich traurig und lässt mich leiden. Was für ein Zwiespalt das ist.

3 Gedanken zu „Der Wunsch nicht zu leiden“

  1. Lieber Worden. Ich gebe dir jetzt mal ein paar Ratschläge. Ich bin nämlich auch so ein …(mildes, einigermaßen erträgliches Schimpfwort)… wie du und kenne mich da ganz gut aus. Aber wenigstens fühle ich mich gut dabei. Selbst nix auf die Reihe kriegen und andere therapieren ist nicht so schwer und immerhin ein kleiner subjektiver Gewinn. Und den werde ich jetzt hemmungslos einstreichen.
    Was gibst du einem wie mir auch so tolle Steilvorlagen? Selber schuld!

    Also:
    1). Ich nehm mal an, dass das unglückliche Geschöpf deiner Anbetung volljährig ist. Dann lass sie doch bitte selber entscheiden, ob sie von dir in die Abwärtsspirale gezogen werden möchte. Bevormunde doch nicht andere Leute. Das hat nix mit Edelmut zu tun, sondern mit einem Gewirr von Strategien, die uns das Leben seit dem ersten Schrei ankonditioniert. Und wenn wir dann groß und geschlechtsreif und äußerlich erwachsen werden, dann, ja dann sind die manchmal im Weg. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Sie sind schwer zu erkennen, denn sie verkleiden sich gerne. Und leihen sich auch großzügig untereinander phantasievolle Kostüme aus. Prinzipien, bes. moral. Prinzipien gehören gerne dazu (zu diesen Verkleidungen).

    Ein einfacherer Grund für deinen „Edelmut“ (glaub mir, ich spreche aus Erfahrung) kann einfach sein: Angst.
    Du denkst: Sie will nicht in eine Abwärtspirale gezogen werden. Das tut weh. Du bist ihr die Abwärtsspirale nicht wert. Und noch viel mehr tut es weh zu denken: „Sie findet Abwärtsspiralen an der Seite eines Mannes vielleicht gar nicht so übel. Aber an der Seite eines ANDEREN Mannes als mir selbst.“

    Autsch! Maximaler Schmerz (glaub mir, ich kenne auch so eine Königin). Risiken, Schmerzen, Verletzungen meiden ist der sicherste Weg das Leben zu vermeiden. Du wartest auf Godot? Ja, klar. Wart noch 80 Jahre, dann ist alles gut! Kennst du eigentlich die Türhütergeschichte von Kafka? Vielleicht ist diese Frau die Tür? Deine, dir vorbestimmte Tür?
    Nein, ich will dir keine Hoffnungen machen. Ich halte es nicht für wahrscheinlich. Aber unmöglich ist es auch nicht. Und das Leben hat unzählige Türen, und wenn du ohne anzuklopfen weitergehst stirbst auf freiem Feld, irgendwo in der Einöde…

    2). „Lieben oder begehren“? Denken und Leiden hilft dir da nicht weiter. Das kann ich dir garantieren. Der Weg entsteht erst, wenn du ihn gehst. Du kannst 100.000 Jahre leiden und wirst es immer noch nicht wissen… solche Dinge kriegt das Hirn nicht raus. es hilft nur probieren.

    3). Du sprichst von Schuld. Ein Kreuz als Bekenntnis? Das stammt von dir? Hab ich das richtig gesehen? Du bist Christ? Also, Bürschchen, dann zieh dir mal die gute, alte Erbsündenlehre rein. Die ist nämlich bei weitem nicht so doof, wie viele Doofe glauben wollen. Für dich übersetzt heißt sie: Du wirst schuldig werden. Egal, was du machst oder nicht machst. Man kann nicht unschuldig durchs leben kommen. Beispiel: Wir müssen (noch?) töten um zu leben (um zu essen). Und wenn es nur ein Salatkopf ist… Und falls du eines Tages dich entschließest, in eine Ecke zu sitzen und zu verhungern (weil du wirklich niemandem zunahe treten, nichts falsch machen willst du Moralheini), dann tötest du dich selbst und das wäre die maximale Sünde.

    Darum sprachen die Kirchenväter von der „Felix Culpa“, der „glücklichen“ Sünde. Denn erst die Sünde -so dialektisch denkt das Christentum- setzt uns in Beziehung zu Gott. Natürlich sollen wir uns bemühen, verantwortlich durchs Leben zu gehen. Aber bei allen unseren Anstrengungen: Sündlos, das wird nicht funzen.
    Das ist ein Wahn. Und noch ein ziemlich gottloser Wahn.

    4). Sex oder Beziehung? Meine Güte! Manchmal wollen Frauen auch nur das eine. Finde es heraus. Natürlich, Abweisung schmerzt. Auch wenn es sich nur um einen guten F. handelt.
    Handle verantwortlich. Hintergeh sie nicht. Verheimliche nichts, was sie wissen muss…
    Aber lass SIE entscheiden – Alles andere wäre -christlich gesprochen: Hochmut, Lebensvermeidung, Sünde… Nimm ihr nicht die Freiheit.
    Du kannst nur für dich Verantwortung übernehmen. Falls dir das auch nur ansatzweise gelingt, ist das schon viel. Du machst dich aber Zum Moralpapa, und sie zum Kind. Das ist nicht richtig.

    4). Der buddh. Meister Tich Nath Hanh bringt es in ein anderes Bild: „Du kannst auf Mamor kein Lotus züchten“ Damit meint er: Leben entsteht aus Humus, Dünger, Mist. Solange du keinen Mist baust, kann aus deinem Leben nichts wachsen. Jesus würde vielleicht sagen: Vergrab deine Taltente nicht, um auf Nr. Sicher zu gehen und um ja nichts falsch zu machen. Christlicher Glaube heißt nicht Gottes Regeln befolgen, sondern Gott zu vertrauen.

    Andererseits: Wenn du auf Mamor leben willst, bitte, warum nicht? Eines Tages liegt dein Skelett auf einem sauberen Stück Mamor… das sieht natürlich höchst ästhetisch aus, Damien Hirst wird dich mit Schmetterlingsflügeln und mit Brillies bestreuen und ins MoMa stellen… dort werden wir dich toll finden, den guten alten Worden auf Mamor.
    Welch Meisterwerk hybrider Ästhetik!

    Karl

    Gefällt mir

  2. Lieber Worden. Ich gebe dir jetzt mal ein paar Ratschläge. Ich bin nämlich auch so ein …(mildes, einigermaßen erträgliches Schimpfwort)… wie du und kenne mich da ganz gut aus. Aber wenigstens fühle ich mich gut dabei. Selbst nix auf die Reihe kriegen und andere therapieren ist nicht so schwer und immerhin ein kleiner subjektiver Gewinn. Und den werde ich jetzt hemmungslos einstreichen.
    Was gibst du einem wie mir auch so tolle Steilvorlagen? Selber schuld!

    Also:
    1). Ich nehm mal an, dass das unglückliche Geschöpf deiner Anbetung volljährig ist. Dann lass sie doch bitte selber entscheiden, ob sie von dir in die Abwärtsspirale gezogen werden möchte. Bevormunde doch nicht andere Leute. Das hat nix mit Edelmut zu tun, sondern mit einem Gewirr von Strategien, die uns das Leben seit dem ersten Schrei ankonditioniert. Und wenn wir dann groß und geschlechtsreif und äußerlich erwachsen werden, dann, ja dann sind die manchmal im Weg. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Sie sind schwer zu erkennen, denn sie verkleiden sich gerne. Und leihen sich auch großzügig untereinander phantasievolle Kostüme aus. Prinzipien, bes. moral. Prinzipien gehören gerne dazu (zu diesen Verkleidungen).

    Ein einfacherer Grund für deinen „Edelmut“ (glaub mir, ich spreche aus Erfahrung) kann einfach sein: Angst.
    Du denkst: Sie will nicht in eine Abwärtspirale gezogen werden. Das tut weh. Du bist ihr die Abwärtsspirale nicht wert. Und noch viel mehr tut es weh zu denken: „Sie findet Abwärtsspiralen an der Seite eines Mannes vielleicht gar nicht so übel. Aber an der Seite eines ANDEREN Mannes als mir selbst.“

    Autsch! Maximaler Schmerz (glaub mir, ich kenne auch so eine Königin). Risiken, Schmerzen, Verletzungen meiden ist der sicherste Weg das Leben zu vermeiden. Du wartest auf Godot? Ja, klar. Wart noch 80 Jahre, dann ist alles gut! Kennst du eigentlich die Türhütergeschichte von Kafka? Vielleicht ist diese Frau die Tür? Deine, dir vorbestimmte Tür?
    Nein, ich will dir keine Hoffnungen machen. Ich halte es nicht für wahrscheinlich. Aber unmöglich ist es auch nicht. Und das Leben hat unzählige Türen, und wenn du ohne anzuklopfen weitergehst stirbst auf freiem Feld, irgendwo in der Einöde…

    2). „Lieben oder begehren“? Denken und Leiden hilft dir da nicht weiter. Das kann ich dir garantieren. Der Weg entsteht erst, wenn du ihn gehst. Du kannst 100.000 Jahre leiden und wirst es immer noch nicht wissen… solche Dinge kriegt das Hirn nicht raus. es hilft nur probieren.

    3). Du sprichst von Schuld. Ein Kreuz als Bekenntnis? Das stammt von dir? Hab ich das richtig gesehen? Du bist Christ? Also, Bürschchen, dann zieh dir mal die gute, alte Erbsündenlehre rein. Die ist nämlich bei weitem nicht so doof, wie viele Doofe glauben wollen. Für dich übersetzt heißt sie: Du wirst schuldig werden. Egal, was du machst oder nicht machst. Man kann nicht unschuldig durchs leben kommen. Beispiel: Wir müssen (noch?) töten um zu leben (um zu essen). Und wenn es nur ein Salatkopf ist… Und falls du eines Tages dich entschließest, in eine Ecke zu sitzen und zu verhungern (weil du wirklich niemandem zunahe treten, nichts falsch machen willst du Moralheini), dann tötest du dich selbst und das wäre die maximale Sünde.

    Darum sprachen die Kirchenväter von der „Felix Culpa“, der „glücklichen“ Sünde. Denn erst die Sünde -so dialektisch denkt das Christentum- setzt uns in Beziehung zu Gott. Natürlich sollen wir uns bemühen, verantwortlich durchs Leben zu gehen. Aber bei allen unseren Anstrengungen: Sündlos, das wird nicht funzen.
    Das ist ein Wahn. Und noch ein ziemlich gottloser Wahn.

    4). Sex oder Beziehung? Meine Güte! Manchmal wollen Frauen auch nur das eine. Finde es heraus. Natürlich, Abweisung schmerzt. Auch wenn es sich nur um einen guten F. handelt.
    Handle verantwortlich. Hintergeh sie nicht. Verheimliche nichts, was sie wissen muss…
    Aber lass SIE entscheiden – Alles andere wäre -christlich gesprochen: Hochmut, Lebensvermeidung, Sünde… Nimm ihr nicht die Freiheit.
    Du kannst nur für dich Verantwortung übernehmen. Falls dir das auch nur ansatzweise gelingt, ist das schon viel. Du machst dich aber Zum Moralpapa, und sie zum Kind. Das ist nicht richtig.

    4). Der buddh. Meister Tich Nath Hanh bringt es in ein anderes Bild: „Du kannst auf Mamor kein Lotus züchten“ Damit meint er: Leben entsteht aus Humus, Dünger, Mist. Solange du keinen Mist baust, kann aus deinem Leben nichts wachsen. Jesus würde vielleicht sagen: Vergrab deine Taltente nicht, um auf Nr. Sicher zu gehen und um ja nichts falsch zu machen. Christlicher Glaube heißt nicht Gottes Regeln befolgen, sondern Gott zu vertrauen.

    Andererseits: Wenn du auf Mamor leben willst, bitte, warum nicht? Eines Tages liegt dein Skelett auf einem sauberen Stück Mamor… das sieht natürlich höchst ästhetisch aus, Damien Hirst wird dich mit Schmetterlingsflügeln und mit Brillies bestreuen und ins MoMa stellen… dort werden wir dich toll finden, den guten alten Worden auf Mamor.
    Welch Meisterwerk hybrider Ästhetik!

    Karl

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