Inhaltliche Kontinuität

Wenn ich mich an mein Mittagessen vor drei Wochen erinnern kann, dann kann ich mir im Moment nur einen guten Grund dafür vorstellen und das ist, dass mein Mittagessen mit etwas anderem, ungewöhnlicherem zusammenhing. Der Inhalt meines Lebens ist in dieser Beziehung also außergewöhnlich, obwohl das Essen selbst nichts außergewöhnliches ist, weder der Akt, noch die Sache an sich waren etwas besonderes.

Und so können Medien ebenfalls diesen Effekt nutzen, nur etwas abgewandelt. Nehmen wir ein bekanntes Medium wie eine Serie. Eine Serie wird in Massen konsumiert. Es wird momentan sogar damit geworben, dass man eine Serie am besten ganz und am Stück sieht und nicht in Teilen (aber dafür regelmäßig). Das Schauen der Serie an sich ist also nichts besonderes. Auch der Inhalt, gerade bei Serien, ist doch sehr oft nicht stark unterscheidbar. Wie könnte nun also ein solches Medium den zuvor beschriebenen Effekt einsetzen um sich unterscheidbar zu machen von den übrigen Bewerbern.

Ein Beispiel ist eine Serie die für etwas bekannt ist, diese Bekanntheit aber spärlich einsetzt. Wird dies eingesetzt, kann man von etwas besonderem reden, was mit etwas vertrautem zusammenfällt und somit eine Erinnerung erzeugt. Game of Thrones tut das ganz ausgezeichnet. Die Serie ist bekannt dafür, dass geliebte Charaktere meist sehr plötzlich und unerwartet getötet werden. Oder ihnen geschieht etwas unerwartetes, was eine eigentlich schon vorhergesagte Entwicklung innerhalb der Geschichte umwirft und sofort die Konsequenzen offenbar macht. Das wichtige ist, dass es etwas besonderes gibt, was die Massenware von der restlichen Massenware absetzt.

Es gibt noch eine zweite, schwächere aber durch ihren homöopathisch anmutenden Ansatz doch intensivere Methode. Ich nenne sie die inhaltliche Kontinuität. Der Effekt entsteht dadurch, dass wir uns erinnern. Ein Inhalt, der hauptsächlich in einem Fragment des Mediums präsentiert wurde aber zunächst offensichtlich eine abgeschlossene Entität bildet, wird in einem späteren Fragment wieder aufgenommen. Jedoch nicht direkt, sondern nur verwandt. Dadurch bildet sich eine Erinnerung, die jedoch viel subtiler ist, dafür aber verweilt, weil sie zunächst dem Bewusstsein unerklärlich scheint und im Grunde nur das eine Gefühl, nämlich die Vertrautheit simuliert.

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