Aussicht

Schau.
Die Kälte hat dich wieder, obwohl dir warm ist. Sie kriecht von innen in dir herauf und fasst dich.
Das Gefühl, unbestimmt aber dennoch präsent, etwas bestimmtest nicht zu haben und dennoch nicht zu wollen, ist in diesen Momenten sehr stark. Manchmal wäre es einfacher aufzugeben und es dennoch zu wollen.
Die Kälte verschwindet nicht von allein. Einschlafen hilft manchmal. Was nicht hilft sind Menschen. Sie machen das Gefühl nur noch intensiver und drängender, so dass ich manchmal hoffe, sie wären nicht da. Denn wären keine Menschen da, wäre kein Grund mehr da und die Kälte würde aufhören.
Ich würde auf einem kalten Felsen sitzen mit nichts um mich herum, außer mir selbst, anstatt auf einem warmen Sofa mit allem um mich herum, außer mir selbst.

Eine warme, bewegliche Masse

Eine warme, bewegliche Masse in den Armen. Die Masse kann verändert werden und reagiert darauf. Sie hat unterschiedliche Widerstände. Die meiste Zeit über verhält sie sich unvorhersehbar. Wenn wir sie nicht haben können , wollen wir sie haben und wenn wir sie haben, dann ist sie so , als könnten wir sie nicht verlieren. Wenn wir sie nicht haben, dann ist sie überall nur nicht bei einem selbst. Wo ist sie die Masse? Wieso ist sie so wie sie ist? Was ist sie ?

Ich will

Würde ich die Gesamtheit meines Lebens in kleine Einzelstücke zerschneiden, dann hätte ich am Ende eine Aneinanderreihung von Ereignissen, welche durch die zeitliche Abfolge sortiert wären. Das was dazu kommt ist die inhaltliche Verknüpfung, welche jeweils zwei oder mehrere Ereignisse miteinander Teilen. Ein Ereignis kann dabei nicht direkt neben dem anderen stehen und trotzdem eine Verknüpfung bilden.
Die Verknüpfung kann dabei wirklich von Bedeutung sein, aber wie kann ich entscheiden , ob sie nicht auch ohne dazu geführt hätte. Ich meine dabei nicht, dass ich eine Szene durch eine Andere ersetze oder einfach nichts tue, nein, ich meine die radikale Auslöschung dieser Szene, dieses Momentes.
Man könnte meinen das es nicht dazu kommen könnte, weil allein die Zeit eine andere wäre, weil die fehlende Szene den Gesamtstrang verschieben würde und die vorher verbundene Szene etwas früher stattgefunden hätte.
Abgesehen davon jedoch finde ich es schwierig zu glauben, dass das Ereignis ohne diese Bedingung existiert hätte. Es ist doch dann nämlich zumindest so und selbst wenn ich es im nachhinein nur interpretiere , dieses Ereignis inhaltlich so fest verknüpft ist, dass zwar alles gleich sein kann , sogar die Zeit, aber die Verknüpfung des Inhalts mit dem anderen Inhalt wäre unwiderruflich zerstört, auch wenn sich kein direkter oder indirekter Zusammenhang mehr zeigen oder beweisen lässt. Somit jedoch, wird jedes Ereignis vor dem bestimmten Ereignis eine Bedingung für dieses bestimmte Ereignis.
Somit wird meine Gegenwart ganz entschieden von den vergangenen Ereignissen geprägt. Ich bin die Summe der Ereignisse meiner Vergangenheit. Ein Ereignis dabei ist nichts anderes als alles was zu einer bestimmten Zeit geschah, unabhängig von seinem Ort. Also sind die Ereignisse von allem beeinflusst und das zeitlich und örtlich unbegrenzt. Mein Jetzt wird bestimmt von einer unendlich , zumindest mathematisch gesehen unendlichen Menge von Ereignissen.

Und dann kommt der freie Wille. Das Phänomen. Die kleine Illusion Nein sagen zu können, wenn alles auf Ja hindeutet. Schaut man in die Vergangenheit, dann würde man den freien Willen nicht mehr entdecken. Man würde durch einen übermenschlichen Akt feststellen müssen, dass nur eine sehr begrenzte Anzahl von Möglichkeiten übrigblieb, dass der freie Wille nur aussucht aus einer winzigen Menge heraus. Oft wird man sogar feststellen, dass die einzelne Entscheidung den Fluss des vorher bestimmten in keinster Weise gestört hat, so dass es zwar eine Entscheidung gab, wo auch immer sie herkam, sie aber keine Bedeutung hatte.
Aber trotzdem. Was ist dieser freie Wille ? Er entfernt sich völlig von der Betrachtung. Er entwickelt eine eingeschränkte Art dieses Systems, das ich zu Anfang beschrieben habe. Er hat nur bestimmte Möglichkeiten. Er wird durch alles beeinflusst und vor allem durch die Vorstellung eines Ichs , dass durch sehr viele Faktoren gebildet wurde und immer noch gebildet wird. Und ich habe am Ende nur noch zwei Möglichkeiten aus diesem Wulst von Möglichkeiten. Handle ich so wie ich wahrscheinlich handeln müsste, eben so wie es mir meine Erfahrungen diktieren oder handle ich nicht so. Das Ich bietet diese Möglichkeiten. Das Ergebnis dieser Entscheidung verlangt Anpassung an eine Anzahl von möglicher Entscheidungen, da sich meine vorher gelernten Atribute mit den Möglichkeiten nicht genau decken, aber das sind weniger Entscheidungen, als Zurechtbiegungen.