h473

Mein Körper besitzt nachweislich, genetisch bedingt sehr viele Rezeptoren für das Hormon h473. Das bedeutet, wann immer viel von diesem Hormon gebildet wurde, ergibt sich ein tiefes Gefühl der Befriedigung. Ich weiß auch, dass h473 genau dann produziert wird, wenn ich in Situationen komme, in denen ich mich mit anderen streite, egal weswegen. Und je gemeiner und stärker die Beleidigungen sind, die in solchen Streiten fallen, desto mehr h473 wird in diesen Situationen produziert. Das müssen auch keine wahren oder begründete Argumente sein. Es reicht, wenn ich merke, dass es den anderen verletzt und zurückwirft. Ich würde sogar sagen, dass die Beleidigungen in solchen Streiten mehr h473 produzieren.

Ich streite mich sehr selten, weil ich das weiß. Wenn ich mich jedoch streite, können diese sehr heftig ausfallen. Menschen sehen mich dann oft geschockt an, weil sie es nicht von mir erwarten, so „auszurasten“ und denken dann oft, dass sie was falsch gemacht haben oder dass ich nicht alle Tassen im Schrank habe. Es ist nicht selten, dass ich dadurch sehr isoliert war. Nur ein Ortswechsel, bzw. ein absoluter Wechsel meines Umfelds gab mir eine neue Chance, von der ich aber wusste, dass sie nur temporär war. Ich wusste, dass ich irgendwann wieder h473 brauchte, wie ein Süchtiger sein Heroin.

Ich will nur wissen, ob das einen schlechten Menschen aus mir macht.

Das perfekte Dilemma

Und wenn die Gesellschaft aufgibt die Gesellschaft zu sein, ist es nicht mehr als eines von vielen Dingen, die in letzter Zeit getan worden sind und noch mehr, hätte es keine Auswirkung auf irgendjemanden, denn sie ist ja nicht mehr da, die es bewerten oder erfahren könnte.

Es wird schon vor so langer Zeit aufgehört haben, dass es selbst nicht mehr von Dauer ist und nicht mehr von Zeit und sonstigen Einheiten begrenzt. Die Erinnerung selbst ist nichts mehr als Zeit geworden, die nicht mehr ist.

Und die Werte, die sich in mir befinden und die einen Anspruch daran haben richtig zu sein, will ich an meine Mitmenschen, die nicht mehr sind, schon vor so langer Zeit aufgehört haben zu sein, weitergeben. Sie sollen durch genau diese Werte eben zu diesen besten Menschen werden, wie auch ich versuche einer zu sein.

Das bedeutet nicht einmal, dass es ein guter oder ein schlechter Mensch sein muss, nein es ist ein Mensch mit selbstgemachten Fehlern, mit Spielräumen, damit er den natürlichen Erwartungen entspricht, so dass alle so sind und manchmal sein können. Die Schwächen des Menschen sollen dadurch vor allem in den Vordergrund rücken, damit er nicht merkt, dass es anders sein könnte.

Wollte ich nämlich dafür sorgen, dass die Gesellschaft, die schon lange nicht mehr existiert, eine Gesellschaft werden würde, die sich vom Menschen absolut abgrenzen muss, zumindest vom Menschen, wie er bis dato existiert hat, müsste ich kein Mensch sein.

Dadurch ist das Dilemma perfekt. Der einzige der die Gesellschaft hätte retten können ist derjenige, der nie existieren wird.