Moral

Angenommen ich wäre ein schlechter Mensch. Die Umgebung
hält mich dafür und ich kann daraus entfliehen, indem ich
meine Einstellung zu meinem Handeln ändere.

Kann ich nicht.

Mein Schicksal Mensch zu sein zwingt mich zu einer Moralvorstellung,
welche ich einmal angenommen habe und nicht wieder ablegen kann.
Es sind grundlegende Verhaltensweisen und Vorstellungen, welche oft
erst durch die perfekt reale Situation ausgelöst werden und dann mit
der Macht über einen einbrechen.

Ich konnte mich nicht darauf vorbereiten.

Manche dieser moralischen Vorstellungen sind so perfekt logisch an
bestimmte Reize im Hirn angepasst, dass sie der Atmung gleichen oder
dem Herzschlag. Eine Störung dieses Reizes, eine Herausforderung meiner
moralischen Vorstellung nimmt mir förmlich die Möglichkeit zu atmen und
die Fähigkeit Blut durch meinen Körper zu pumpen. Ich werde lebensunfähig.

Ich kann mich nicht darauf vorbereiten.

Moral ist etwas einmaliges und nicht veränderlich. Sie wird eingebetet in eine
Umgebung die sie täglich unterstützt, weil sie in der näheren Umgebung immer
gleich ist. Kleine Verstöße dagegen tolerieren wir, adaptiere ich vielleicht sogar,
aber wenn es an den Kern geht, verzweifele ich, gebe ich mich auf und bin
am Ende.

Verlangen

Wie viel darf man verlangen?
Entweder ich verlange was auch immer mir in den Sinn kommt. Das wäre dann ein unbegrenztes Verlangen oder ich verlange was ich dafür angemessen halte.
Die erste Variante ist uninteressant und gleichzeitig ein bisschen das was auch die zweite ausdrücken wird.
Wenn ich nämlich vom angemessenen Verlangen spreche, kommt sofort die Frage was angemessen ist. Hier sind zwei Wege möglich. Ich spreche von Moral, dann ist es oft etwas was wir aus der Intuition heraus entscheiden. Dabei bin ich der festen Überzeugung das dies durch antrainiertes Verhalten erzeugt wird. Spreche ich von Vernunft, dann sind es simple Abläufe von Aktion und Reaktion. Diese Abläufe sind ebenso erlernt wie die Moral. Der Mensch ist aber sehr gut darin, genau diese Abläufe wieder zu erkennen, auch wenn sie in vielerlei Kernmerkmalen unterschiedlich sind und sich nur wenig ähneln. Vernunft und Moral ähneln sich sogar ein wenig. So könnte die Moral aus der Vernunft erstanden sein. Ebenso nutzt die Vernunft das Phänomen des intuitiven Widererkennens ein. Die beiden Motivationen sind allerdings angelernt. Wir selbst können nur soweit entscheiden was wir verlangen dürfen, was uns irgendwer gezeigt oder gesagt hat. Wirkliche Grenzen setzen wir also wir selbst, durch das was sich zu aller erst durch Beobachtung und dann durch die menschliche Gabe der Vernunft und des Wiedererkennens ergeben hat. Somit wird das begrenzte verlangen fast schon zu dem unbegrenzten, wenn ich die Entscheidung als das auffasse was es ist und Handlungen ohne diese nicht für möglich halte.

blue fear

Wir fürchten den Kranken,
wir fürchten den Erfolgreichen.

Wir fürchten unser Scheitern
und wir fürchten die allzu hohe Verantwortung.

Wir fürchten das allein sein,
wir fürchten die anderen.

Wir fürchten das weite Feld
und wir fürchten die enge Höhle.

Wir fürchten das Vergessen,
wir fürchten die Übermenge an Informationen.

Wir fürchten gestern
und wir fürchten morgen.

Was wir im Leben zu schaffen haben ist wohl auch das Überstehen dieser Ängste. Die Furcht davor in ein Extrem zu gehen um eventuell zu verstehen , dass es gar keines ist. Und am Ende einzusehen das es von Anfang an keinen Grund gab überhaupt zu fürchten. Ein erfülltes Leben ist jenes, das von jeder Furcht befreit, all seine Facetten und Möglichkeiten ausschöpft oder zumindest in einem vernünftigen Rahmen überdenkt.

Demut

Es gibt eine ganz spezielle Angst. Die Angst ist es etwas zu realisieren, was das in den Grundfesten erschüttert, das uns unser Leben über getragen hat. Es ist die Furcht davor, eine hypothetische Wahrheit anerkennen zu müssen, die uns von dem löst, was sich, sobald die Wahrheit als solche erkannt wurde, als absolut Falsch herausstellen muss.

Die Frage die ich mir dabei stelle ist, ob ich Angst vor dem Prüfen haben sollte oder vor der neuen Wahrheit oder vor der alten Wahrheit.

Die Angst vor der neuen Wahrheit ist die offensichtlichste von allen. Sie ist bereits beschrieben worden, weil sie das alte verdrängt.

Die alte Wahrheit könnte falsch sein und wir haben es bis zu diesem Augenblick nicht bemerkt, also sollte ich mich auch vor meiner jetzigen, also der alten Wahrheit fürchten.

Zuletzt ist es die Prüfung selbst. Ich kann nicht davon ausgehen, dass ich die neue wie die alte Wahrheit korrekt prüfen kann, also habe ich Angst davor überhaupt urteilen zu müssen, weil ich wahrscheinlich Fehler dabei machen werde.

blue borders

Erhebe mich,
sehe das Fenster auf mich zukommen,
es springt auf,
der Wind weht mir warm ums Gesicht,
ich wehe hinaus,
vor mir die Wiese mit der kleinen Feuerstelle,
sie ist hinter mir,
weites Grün rauscht unter mir hinweg,
jeder einzelne Halm,
ich sehe eine Wand aus Bäumen,
die sich mir in den Weg stellt, aber
eine kleine Bewegung,
und ich bin weg,
hoch,
hoch,
höcher noch als je zuvor,
hinter allen Wolken,
ganz nah gen Sonne,
schade nur, das Blau verschwindet mit der Erde.