Moral

Angenommen ich wäre ein schlechter Mensch. Die Umgebung
hält mich dafür und ich kann daraus entfliehen, indem ich
meine Einstellung zu meinem Handeln ändere.

Kann ich nicht.

Mein Schicksal Mensch zu sein zwingt mich zu einer Moralvorstellung,
welche ich einmal angenommen habe und nicht wieder ablegen kann.
Es sind grundlegende Verhaltensweisen und Vorstellungen, welche oft
erst durch die perfekt reale Situation ausgelöst werden und dann mit
der Macht über einen einbrechen.

Ich konnte mich nicht darauf vorbereiten.

Manche dieser moralischen Vorstellungen sind so perfekt logisch an
bestimmte Reize im Hirn angepasst, dass sie der Atmung gleichen oder
dem Herzschlag. Eine Störung dieses Reizes, eine Herausforderung meiner
moralischen Vorstellung nimmt mir förmlich die Möglichkeit zu atmen und
die Fähigkeit Blut durch meinen Körper zu pumpen. Ich werde lebensunfähig.

Ich kann mich nicht darauf vorbereiten.

Moral ist etwas einmaliges und nicht veränderlich. Sie wird eingebetet in eine
Umgebung die sie täglich unterstützt, weil sie in der näheren Umgebung immer
gleich ist. Kleine Verstöße dagegen tolerieren wir, adaptiere ich vielleicht sogar,
aber wenn es an den Kern geht, verzweifele ich, gebe ich mich auf und bin
am Ende.

Der Gott des Gemetzels

Es gibt keinen Gott des Gemetzels. Die Figur existiert nur als Metapher. In meinen Augen als Metapher für den Begriff von Hobbes nach dem der „Mensch dem Menschen ein Wolf“ sei. Nur wird er hart angewandt auf den einzelnen. Die Konsequenz daraus wird nicht betrachtet.

An den Gott des Gemetzels zu glauben, bedeutet Voraussetzungen zu erfüllen. So hat man in seinem Leben enttäuscht feststellen müssen, dass eine andere Moralvorstellung nicht praktisch anwendbar ist, weil man selbst nicht konform ist oder die meisten Menschen um einen. Die Praxis fällt magisch angezogen zurück auf diesen einen Punkt.

Ich selbst nehme an, dass dieser Punkt zweigeteilt ist. Der Scheideweg endet an dem Verzweifeln oder der Aggression. Beides sind mögliche Endpunkte der vorher beschriebenen Voraussetzungen. Oft zwingt einen das Leben selbst zur Aggression. Denn das Leben muss, da es sich selbst erhält, für einen Freiraum sorgen, der nicht durch Rückzug und Verinnerlichung erreicht werden kann. Das natürlichste auf der Welt, sorgt dafür dass sich der Gott des Gemetzels durchsetzen kann.

Das ist keine Schrift für oder gegen diese Idee. Der Schluss kann schon in dem Moment entkräftet werden, wo die Verzweiflung und die Aggression in Reihe und nicht mehr parallel betrachtet werden. Auch eine weitere Möglichkeit, wie die Gedankenlosigkeit, also das Ignorieren, würden den Schluss entkräften. Deshalb ist es nur ein kleiner Schritt in irgendeine Richtung.

Moral ohne Menschen

Was wäre, wenn ..

.. es am morgigen Tag keinen mehr geben würde, der ihre Handlungen, Entscheidungen und überhaupt ihr ganzes Dasein bemerken würde ? Nicht etwas weil es nicht bemerkenswert wäre, sondern, weil es niemand anders mehr gibt.

Ich vermute, dass die Moral, das also was sich damit beschäftigt, wie ein Individuum sich in einer Masse versteckt , darunter immens leiden würde. Jedoch würde sie nicht verschwinden. Die Moral nämlich ist nichts , was von den anderen abhängt.

Ich behaupte, dass es moralische Werte gibt, an die wir uns richten, die sich nur am eigenen Sein ausrichten. Diesen Gedanken finde ich interessant, weil er , nach der klassischen Idee von einer Moral, ein Leben mit uns selbst behauptet. Der Mensch wäre mal wieder ein zwei geteiltes Ding und die Moral ist wesentlicher Bestandteil zur Erhaltung dieser Lücke.

Die Moral zu einem selbst gibt einem oft das Gefühl sich selbst zu achten. Dies beinhaltet beispielsweise das Beachten von Regeln, die den Ablauf des Tages strukturieren. Sie sind notwendig, damit Menschen nebeneinander existieren können, aber auch damit man selbst existiert, als Mensch, so wie wir es im Moment hier gewohnt sind. Die Erhaltung einer Routine schützt den Körper vor der Übermüdung , da die Routine und das Muster keine Überanstrengung fordern und gleichzeitig eine Betäubung des Geistes, was man als Erholung erkennen könnte. Die zwei Bestandteile , die die Moral , also das gute Verhalten, ausmachen sind also die Beschäftigung des Geistes und die des Körpers.

Diese Mikrosicht ist nahtlos zu übertragen auf eine Makrosicht. Die Menschen werden zu den Körpern und die „Überintelligenz“ ist die Kombination allen Geistes. So wird der Mensch zu einer intelligenten Herde geformt, ganz ähnlich wie ein Fischschwarm oder eine Gnuherde. Von einer noch höheren Warte wird es erstaunlich zu betrachten sein, dass sich die Menschen einer unsichtbaren Hand folgend untereinander koordinieren. Die Moral , ein Instrument, das das Individuum mit der Masse verbindet, ist entscheidend für dieses Verhalten.

Unsinn

Und kurz bevor es zu Ende geht, werdet ihr all das
zugeben.

Ihr werdet davon Abstand nehmen, dass euer Leben Sinn
hatte. Ihr wollt das ein kleines bisschen mehr Zeit
für euch da ist.

Ihr werdet jenseits jeder Vernunft an ein weiteres
Leben glauben und an Gott und an alle Möglichkeiten
, so abstrus sie auch klingen mögen.

Ihr werdet eure Familie verraten, eure besten Freunde,
eure Frau oder euren Mann. Nichts ist mehr sicher vor
euch, wenn euch eigentlich gewiss ist, dass es kein
Leben mehr für euch gibt.

Jeder Stolz entweicht euch in den letzten Atemzügen
und jede Moral , egal wie sie gebaut ist, werdet ihr
entweder annehmen oder absolut verleugnen.